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Marilyn Manson Valley
 

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VISIONS Nr.82 - Interview mit Twiggy Ramirez

"Meine Mutter hatte den größten Einfluß auf mein Leben. Sie war cooler und mehr Rock'n'Roll als ich je sein werde."

Twiggy, kannst du dich noch an deine erste Begegnung mit Manson erinnern? "Natürlich. Das war wohl so um 1990 herum. Ich spielte schon seit einiger Zeit Gitarre und Bass in einer Thrash Metal-Band, er hatte seine eigene Combo gerade gegründet. Nachdem wir uns flüchtig kennengelernt hatten, trafen wir uns gelegentlich, um im Einkaufszentrum abzuhängen und Leute mit Katzenscheiße zu bewerfen. Nachdem wir uns später so und auf anderen Wegen besser kennengelernt und schließlich angefreundet hatten, beschlossen wir 1993 schließlich, mit vereinten Kräften weiterzuarbeiten und ich trat seiner Band bei."

Wie dachtest du damals über ihn? Immerhin wird gesagt, dass du in deiner damaligen Band Amboog-A-Lard vergleichsweise dezentes Jeans-Outfit bevorzugt hast, während Manson schon damals mit Badeanzügen und anderen, eher ungewöhnlichen Kleidungsstücken experimentierte. "Ich hielt ihn für einen recht coolen Typen."

Inspirierte dich seine Art, aus Musiker und Musik eine Art Gesamtkunstwerk zu schaffen? "Das ergab sich eher nach und nach. Schließlich hingen wir ab einem gewissen Punkt ständig zusammen ab, da lassen sich gemeinsame Vorlieben eben wunderbar gemeinsam ausleben."

Mit Manson verbindet dich augenscheinlich mehr, als nur die gemeinsame Band. Ist es dir wichtig, mit deinen Bandkollegen befreundet zu sein? "Manson und ich sind ein wirklich sehr gut aufeinander eingespieltes Team. Sowohl im musikalischen Bereich, als auch privat. Mit dem Rest der Band gestaltet sich die Sache ein wenig schwieriger. Ein gutes Verhältnis zu ihnen wäre schon eine feine Sache. Das Problem ist nur, dass diese Leute dazu neigen, irgendwann sehr egoistisch zu werden. Sie vergessen, von wem sie abhängig sind, wer die Richtung vorgibt. Das endet zwar regelmäßig damit, dass sie schließlich gefeuert werden, trotzdem scheint das kaum jemanden davon abzuhalten, irgendwann einen solchen Höhenflug zu bekommen. Deswegen habe ich mittlerweile Vorbehalte, mich mit ihnen über das Notwendige hinaus einzulassen."

Dieses Phänomen war in der Vergangenheit schon häufiger zu beobachten und ist insofern wohl der Beweis dafür, dass es nicht immer leicht zu sein scheint, Mitglied von Marilyn Manson zu sein. Hast du selbst auch schon mal ans Aufhören gedacht? "Wenn es Probleme in der Band gibt, bin ich zumeist der Grund dafür. Welchen Sinn würde es da machen, ihretwegen die Band zu verlassen? Meine Musikkarriere ist neben meiner Tendenz, Unheil anrichten zu wollen, alles, was ich habe. Beende ich sie, bleibt nur noch mein Drang zum Randalieren."

Wenn man dich hier so sieht, wirkst du nicht wirklich unheilvoll. Höchstens ziemlich stark verkatert. Beziehst du dich mit diesem 'Ärger' mehr auf deinen sprichwörtlichen Hang zum exzessiven Drogenkonsum? "Natürlich sind die Drogen Auslöser für so manche prekäre Situation in der Band gewesen. Aber andererseits würde es die Band ohne die Drogen gar nicht geben. Sie sind wichtig für jede Art guter Musik. Nicht umsonst geht es hier um Sex, Drugs und Rock`n`Roll. Diese drei Teile gehören nun einmal zusammen. Nimmst du einen dieser Bestandteile weg, beginnt der Rest zu saugen."

Wo wir gerade bei vielzitierten Rock-Slogans sind: wie steht es bei dir mit 'Live fast, die young'? "Dabei geht es um Selbstzerstörung. Das ist etwas anderes. Du kannst Drogen nehmen, Sex haben, Rock`n`Roll spielen und trotzdem ewig leben. Schau dir nur Lemmy von Motörhead an, er ist das perfekte Beispiel dafür. Es gibt Leute, die ständig auf sich Acht geben und um jeden Preis versuchen, ihrem Körper nichts Schädliches zuzumuten und trotzdem körperlich sowie psychisch 25 Jahre älter sind als ich."

Achtest du auf deine Gesundheit? "Das schwankt von Tag zu Tag. Ich kümmere mich nicht gerade um eine ausgewogene Ernährung oder so etwas, aber ich versuche zumindest, mir nicht auf Dauer mehr zuzumuten, als ich verkraften kann."

Kannst du dich an deine erste Drogenerfahrung erinnern? "Ich habe mit 14 zum ersten Mal Pot geraucht. Es gefiel mir aber von Anfang an nicht. Ist nun einmal nicht meine Droge."

Was ist damals passiert? "Ich kann mich nicht erinnern, ich war zu stoned (lacht). Gekotzt habe ich soviel ich weiß nicht, denn das ist mir erst nach dem erstmaligen Konsum von Kautabak passiert."

Was wäre aus dir geworden, wenn du niemals mit Drogen in Kontakt gekommen wärst? "Ich wäre wahrscheinlich pleite und armselig."

Damit dürftest du ein echter Einzelfall sein, schließlich läuft es im Normalfall eher anders herum. "Das glaube ich nicht. Für viele Menschen können Drogen etwas positiv bewegen. Jeder Mensch hat den Drang in sich, an eine Sache glauben zu wollen, die ihn auf ein neues Bewusstseinslevel hebt. Bei einer kirchlichen Messe verspeisen die Gläubigen symbolisch den Leib und das Blut Christi, um so auf eine neue Ebene zu geraten. Wenn die Kids sich nun Drogen reinziehen, entspricht das im Grunde einer solchen Messe. Die Menschen wollen ihr Vertrauen auf etwas richten. Die Kirche hat sich dafür mittlerweile disqualifiziert, also konzentrieren sich viele auf Musik und Drogen. Es wurde schon oft gesagt: Jesus war der erste Rockstar! Lange Haare, Bart, Frauen, die für ihn sterben wollten. Wir geben den Kids etwas, an das sie glauben können und wiederholen so nur eine schon oft durchlebte Geschichte. Die Drogen- und Musikkonsumenten der Welt bilden so gesehen eine moderne Form einer religiösen Gemeinschaft."

Ist das nicht eine ziemlich blauäugige Sichtweise? Bei aller eventuell positiven bewusstseinserweiternden Wirkung haben die Nebenwirkungen dieser Drogen erfahrungsgemäß immerhin mindestens genau so viele Leute um Verstand, Besitz und Leben gebracht wie endgültig erleuchtet. Wenn man nicht zufällig Rockstar ist, bringt das nebenbei noch ein paar weitere Erschwernisse mit sich... "Ich will mit dieser Äußerung ja auch niemanden dazu bewegen, diese Sachen zu schlucken, sondern lediglich erklären, warum sie sich solch eines großen Zuspruchs erfreuen."

Wie verschiedenen Interviews zu entnehmen war, pflegt Manson ein überraschend unkompliziertes Verhältnis zu seinen Eltern. Auch du sollst ein gern gesehener Gast im Hause Warner sein. "Meine Eltern gehen gelegentlich mit seinen Eltern Essen und verstehen sich ziemlich gut. Wir haben allesamt ein gutes Verhältnis zueinander.

Spätestens seit "Mechanical Animals" - das Manson zufolge ja nicht zuletzt von den in L.A. bzw. Hollywood eingefangenen Stimmungen inspiriert wurde - und deinem großen Anteil am Songwriting für dieses Album, ist klar geworden, wie wichtig du für diese Band bist. Trotzdem ist stets Manson selbst der Mann im Vordergrund und auf den Titelblättern. Kommt dir das entgegen oder hast du ein Problem damit? "Ich denke, mittlerweile hat sich mein Anteil am Schaffen der Band herumgesprochen. So wie es inzwischen läuft, steht mir eine sehr vielversprechende Zukunft bevor, weil ich durch meine Songs Anerkennung sammeln kann, aber gleichzeitig nicht ständig zu sehen bin. Weder überpräsent in den Medien noch ständig auf der Bühne im Spotlight - so ist es mir eigentlich ganz lieb. Aber man muss dazu sagen, dass die Aufmerksamkeit, die mir in den Staaten entgegengebracht wird, viel höher ist als hier in Europa. Dort bin ich genau so im Mittelpunkt wie Manson. Hier in Europa hatten wir nie die Chance viele Interviews zu geben, um dies darzustellen, deswegen wissen viele Leute die Bandhierarchie nicht einzuschätzen und halten Marilyn für die Band."

Woran lag es deiner Meinung nach hauptsächlich, dass die Band in Europa pressetechnisch so viel weniger aktiv war als in den Staaten und gerade über den Touraktivitäten ein so schlechter Stern stand? "Es war wohl in erster Linie eine Kombination aus Pech und Zeitmangel. Wir waren zumeist damit beschäftigt, in den USA zu touren, und wenn wir dann doch einmal hierzulande spielen wollten, machte uns das Schicksal wie zuletzt bei unserem Auftritt beim Southside-Festival einen Strich durch die Rechnung."

Mit der Verwandlung, die die Band mit dem letzten Werk vollzogen hat, stellte man die Fans vor eine echte Herausforderung. Gilt diese Strategie der ständigen Neuerfindung auch für das nächste Album? Manson prophezeite, man sei mit dieser Platte stilistisch am Ziel angekommen. "Grundsätzlich sollten die Leute wieder eine härtere Platte erwarten. Mit der letzten wollten wir das Ganze ein bißchen weniger extrem gestalten, um unsere Musik für mehr Menschen zugänglich zu machen, aber daraus hat sich mittlerweile schon fast so eine Art Komplex entwickelt. Die nächsten Alben werden definitiv wieder mehr `Bad Attitude` aufweisen und ein derberes Brett werden. Ich denke, `Mechanical Animals` ist tatsächlich so eine Art Schlüssel zu unserer Welt, aber ein Schlüssel muss reichen. Wer dann noch nicht reingekommen ist, hat eben Pech gehabt."

Glaubst du denn, dass ihr mit jener Platte neue Fans erreicht habt? "Ich denke schon. Wir haben schließlich viel mehr dazu gewonnen als verloren. Diese Platte war aber auch deshalb notwendig, weil unsere Fans genau wie wir älter geworden sind und wir ihnen ständig etwas Neues bieten müssen."